Fusionsprozess beschleunigt sich

Im Trend - Elefantenhochzeiten


Die Übernahmeschlacht um die britische Abbey National durch die spanische Großbank Banco Santander Central Hispano, die Auseinandersetzung bei der Akkquisition um die italiensche Banka Antonveneta durch die niederländische ABN Amro und die bevorstehende Fusion zwischen der HypoVereinsbank und UniCredito Italiano sind der Beginn einer neuen Phase der Bankenkonsolidierung in Europa. Die Übernahmen werden derzeit hauptsächlich von drei europäischen Nationen vorangetrieben: das sind zum Einen die Niederländer mit dem, gemessen an der Kraft niederländischer Banken, viel zu kleinem Binnenmarkt. Darüber hinaus spielen aber auch die Spanier und Italiener eine ganz wesentliche Rolle. Die Konsolidierung der europäischen Bankenlandschaft soll durch die geplante Fusion der HVB und der UniCredito vorangetrieben werden. Vorstandschef Dieter Rampel führte aus, dass die starke Position beider Finanzkonzerne in Mittel- und Osteuropa einen besonderen Charme habe.

Die Privatbankhäuser, die ihre besondere Stärke auf dem auf gegenseitigen Vertrauen basierenden Beziehungen zwischen Kunden und Bankberatern gründen, spielen im grenzüberschreitenden Fusionsgeschehen eine wichtige Rolle. ABN Amro übernahm Ende 2002 die Privatbank Delbrück & Co. und anschließend Bethmann Maffay mit dem Ziel, das Private Banking zu stärken. Sal. Oppenheim übernahm zum Jahreswechsel 2004/2005 die BHF-Bank von der ING Group für 600 Mio. €. Durch die Übernahme der BHF-Bank ist Sal. Oppenheim nach Bilanzsumme von rund 25 Mrd. € nunmehr die größte unabhängige Privatbankengruppe Europas.

Aber auch Direktbanken und Versicherungen beteiligen sich an dem europaweiten Integrationsprozess der Finanzwirtschaft. So übernahm die ING Group die Deutsche DiBa im Jahr 2003 von der Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften, wobei die DiBa mit der Nürnberger Direktbank Entrium verschmolzen wurde. Diese Bank wurde vorher zum Preis von 300 Mio. € von der italienischen Bank Capitalia gekauft. Nunmehr verfügt die ING-DiBa als größte europäische Direktbank über einen Kundenstamm von 4,4 Mio.

Hauptmotiv für die Fusionswelle ist die Notwendigkeit, im Bankenbereich Kosten zu reduzieren. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass bei grenzüberschreitenden Fusionen Synergieeffekte im IT-Bereich generiert werden können. Dem Monatsbericht der europäischen Zentralbank war im Mai 2005 zu entnehmen, dass die Konsolidierung der Banken nicht nur Spuren hinterlässt, sondern rasant voranschreitet. Während im EU-Bereich im Jahr 1995 noch 9.507 Banken gezählt wurden, reduzierte sich deren Zahl im Jahr 2005 auf nur noch 6.406. Allerdings sind bisher die Mehrzahl der Fusionen und Übernahmen im Inland erfolgt. Grenzüberschreitende Übernahmen waren hauptsächlich in Portugal, Spanien, Belgien und Österreich zu verzeichnen.

Aufgrund des unverändert anhaltenden Kostendrucks und der Forderungen nach höheren Kernkapitalrenditen wird der Fusionsdruck bei Banken in Europa weiter anhalten. Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren weitere bemerkenswerte Fusionen und Übernahmen stattfinden, wobei Zeitpunkt und Teilnehmer heute nur als spekulativ vorausgesagt werden können... Problematisch dürfte sein, dass bei der grenzüberschreitenden Fusion von Kreditinstituten auch Auswirkungen auf die Kundenbeziehungen zu erwarten sein werden. Die als nicht strategisch erkannten Geschäftsfelder werden noch schneller, als heute bereits beobachtet, ausgelagert, die Portfolien werden bereinigt und die Bank wird auf Effizienz getrimmt. Welche Auswirkungen hier auf die vorhandenen Kundenbeziehungen und insbesondere auf das Kreditgeschäft entstehen, bleibt abzuwarten.

Bundesbank erwartet weitere grenzüberschreitende

Bankenfusionen 01.07.2005
Der für die Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Edgar Meister rechnet in Europa mit weiteren grenzüberschreitenden Bankenfusionen nach dem Vorbild von Unicredito und HypoVereinsbank. Für solche Transaktionen seien die "Kriegskassen" mancher Institute prall gefüllt, sagte Meister am Freitag in Lüneburg. Ausschlaggebend für den Erfolg solcher Fusionen sei aber nicht nur die Größe, sondern auch die Nutzung von Synergiepotenzialen. "Dies gilt nicht nur mit Blick auf mögliche Kostensenkungen, sondern auch hinsichtlich der Erschließung von Ertragssynergien", sagte Meister.
So lange der Konsolidierungsprozess zu finanzstarken und profitablen Instituten führe und die Stabilität des europäischen Finanzsystems erhöhe, habe die Bankenaufsicht dagegen nichts einzuwenden, sagte Meister. Unabhängig davon sei erforderlich, dass die deutschen Institute ihre Wettbewerbsposition weiter verbesserten und das inländische Konsolidierungspotenzial auch nutzten. "Dabei geht es gar nicht so sehr um den berühmt-berüchtigten National Champion", sagte der Bundesbank-Vorstand.
Quelle: ddp.vwd

Commerzbank kauft Eurohypo

17. November 2005
Die Commerzbank, die bereits 31,8 Prozent an der Eurohypo hält, hat die Eurohypo-Übernahme-Verhandlungen mit den anderen Haupteigentümern Deutsche Bank und Dresdner Bank erfolgreich abgeschlossen. Das Frankfurter Kreditinstitut übernimmt von beiden Instituten 66,2 Prozent und wird künftig als alleiniger Grossaktionär 98 Prozent der Anteile halten, teilte die Frankfurter Commerzbank am Donnerstag mit. Zwei Prozent befinden sich im Streubesitz.
Der durchschnittliche Kaufpreis liege bei 19,60 Euro je Aktie, insgesamt muss die Commerzbank damit für die Übernahme der Immobilienbank 4,5 Mrd. Euro zahlen. Die Übernahme der zusätzlichen 66,2 Prozent an der Immobilienbank erfolge in zwei Schritten: 17,2 Prozent würden zum 15. Dezember dieses Jahres, die restlichen 49 Prozent zum 31. März 2006 übernommen werden. Der milliardenschwere Zusammenschluss, der grösste seit dem Kauf der Dresdner Bank durch die Allianz im Jahr 2001, wird über eine Kapitalerhöhung finanziert. 57,7 Mio. neue Aktien - fast zehn Prozent des Grundkapitals - wurden am Donnerstag internationalen Investoren zum Kauf angeboten. Angaben zum Platzierungspreis wurden keine gemacht. Händlern zufolge hat die Commerzbank die neuen Aktien zu jeweils 23,45 Euro bei Investoren platziert. Das würde ein Erlös von 1,35 Mrd. Euro bedeuten. Wie die Commerzbank bereits am Dienstag mitteilte, wurde zur Finanzierung der Eurohypo-Übernahme auch der 2,9-prozentige Anteil der Commerzbank an der italienischen Banca Intesa für 800 Mio. Euro verkauft.
Die Commerzbank steigt mit der Eurohypo-Übernahme zur zweitgrössten Bank in Deutschland, hinter der Deutsche Bank, auf. Ihre Bilanzsumme wird um mehr als die Hälfte auf 700 Mrd. Euro gesteigert. Mit der Übernahme durch die Commerzbank wurden die Pläne der Eurohypo für einen Börsengang auf Eis gelegt. Die Eurohypo war 2002 aus dem Zusammenschluss der Hypothekenbankentöchter von Commerzbank, Dresdner Bank und Deutsche Bank entstanden.
Quelle: Wirtschaftsblatt online

Der milliardenschwere Zusammenschluss, der grösste seit dem Kauf der Dresdner Bank durch die Allianz im Jahr 2001, wird über eine Kapitalerhöhung finanziert. 57,7 Mio. neue Aktien - fast zehn Prozent des Grundkapitals - wurden am Donnerstag internationalen Investoren zum Kauf angeboten. Angaben zum Platzierungspreis wurden keine gemacht. Händlern zufolge hat die Commerzbank die neuen Aktien zu jeweils 23,45 Euro bei Investoren platziert. Das würde ein Erlös von 1,35 Mrd. Euro bedeuten. Wie die Commerzbank bereits am Dienstag mitteilte, wurde zur Finanzierung der Eurohypo-Übernahme auch der 2,9-prozentige Anteil der Commerzbank an der italienischen Banca Intesa für 800 Mio. Euro verkauft.
Die Commerzbank steigt mit der Eurohypo-Übernahme zur zweitgrössten Bank in Deutschland, hinter der Deutsche Bank, auf. Ihre Bilanzsumme wird um mehr als die Hälfte auf 700 Mrd. Euro gesteigert. Mit der Übernahme durch die Commerzbank wurden die Pläne der Eurohypo für einen Börsengang auf Eis gelegt. Die Eurohypo war 2002 aus dem Zusammenschluss der Hypothekenbankentöchter von Commerzbank, Dresdner Bank und Deutsche Bank entstanden.
Quelle: Wirtschaftsblatt online

Commerzbank kauft Dresdner Bank

Die Commerzbank schluckt die seit Jahren kriselnde Allianz-Tochter Dresdner Bank zum Preis von 9,8 Milliarden Euro. Das Geschäft kostet 9000 Arbeitsplätze - vor allem bei der Investmentbanking-Sparte Dresdner Kleinwort - und etwa 600 Zweigstellen. Der unsägliche Name "Beraterbank" soll verschwinden; die neu geschaffene Bank wird voraussichtlich unter der Marke Commerzbank auftreten.
Die Commerzbank will zunächst etwa 60 Prozent an der Dresdner Bank erwerben, weitere Anteile sollen nach einer außerordentlichen Hauptversammlung des Instituts voraussichtlich Anfang 2009 den Besitzer wechseln. An der neuen Bank wird die Allianz weiter mit etwa 30% beteiligt sein.
Zur Finanzierung überlässt die Commerzbank als Teil des Kaufpreises ihre Fondsgesellschaft Cominvest für 700 Millionen Euro der Allianz. Vereinbart wurde zudem eine 1,25 Milliarden Euro schwere Vorsorge für mögliche weitere zukünftige Schäden der Dresdner Bank aus der Finanzmarktkrise. Die Allianz soll davon 975 Millionen Euro übernehmen.
Mit einer rechnerischen Bilanzsumme von rund 1,1 Billionen Euro rückt die um die Dresdner Bank erweiterte Commerzbank im Vergleich zum Branchenprimus Deutsche Bank deutlich auf. Im internationalen Vergleich gehört sie aber immer noch zu den kleineren Kreditinstituten.

Societe Generale kauft Banken auf

Der Chef der französischen Großbank Société Générale, Daniel Bouton, treibt die Expansion seines Hauses wie kaum ein anderer europäischer Bankchef voran. In den vergangenen Monaten unterzeichnete der Manager gleich vier Verträge für die Übernahme europäischer Kreditinstitute, und weitere Akquisitionen stehen bevor.
Die internationalen Akquisitionen werden nicht nur immer größer, sie folgen auch immer schneller und reichen geographisch immer weiter. Den Anfang machten die relativ kleine Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (BDK), die ALD Automotive und die GEFA Gesellschaft für Absatzfinanzierung mbH, die Bouton im vergangenen Jahr von der Deutschen Bank erwarb. Kurz darauf kaufte der SG-Chef vom deutschen Otto-Versand einen 75-prozentigen Anteil an der Hamburger Hanseatic Bank, um in das deutsche Geschäft mit Konsumentenkrediten einsteigen zu können. Richtig los ging es aber erst in 2005. Die SG übernahm Schlag auf Schlag die russische Promek Bank, die polnische Eurobank und die portugiesische Interbanco. Alle drei sind Geldinstitute, die sich auf Konsumentenkredite spezialisieren. Dann folgte die russische Delta-Credit-Bank mit dem Fokus auf der Immobilienfinanzierung. Nur eine Woche später schlug Daniel Bouton in Ägypten zu, als er für 346 Mio. EUR die zweitgrößte Universalbank des Landes, die MIBank, übernahm. Allein mit diesem Coup wurde Société Générale um 50.000 Privatkunden und 800 Firmenkunden reicher.
Quelle: Die Bank 12/2005

Deutsche Bank übernimmt Berliner Bank

Berlin (dpa) - Die Deutsche Bank hat nach einem monatelangen Bieterwettlauf den Zuschlag für die Berliner Bank erhalten und will damit das Privatkundengeschäft in ihrem Heimatmarkt stärken. Der Kauf für 680,5 Millionen Euro sei ein deutliches Signal für Investitionen und Wachstum in Deutschland. Das sagte Vorstandschef Josef Ackermann. Die Bankgesellschaft Berlin als Verkäuferin muss sich wegen Sanierungsauflagen der EU von ihrer bisherigen Tochter trennen. Der Branchenprimus aus Frankfurt erwartet spürbar höhere Erträge aus der stärkeren Präsenz in der Hauptstadt. Personalabbau ist nicht geplant. Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Der Vollzug ist zum Jahresende vorgesehen. Die Berliner Volksbank, die beim Bieterverfahren nicht zum Zuge gekommen war, kritisierte den Kaufpreis als «deutlich überzogen». Entscheidungen würden künftig nicht in Berlin, sondern in London oder Frankfurt getroffen. Ackermann verteidigte den Preis, der angesichts erwarteter Ertragssteigerungen im Berliner Markt und den Potenzialen im nahen Osteuropa gerechtfertigt sei. Die Berliner Bank mache künftig fünf Prozent des Privatkundengeschäfts in Deutschland aus. Die Zielmarke von 25 Prozent Eigenkapitalrendite für die Deutsche Bank bleibe unverändert.
Ackermann hatte erst bei der Hauptversammlung Anfang Juni betont, die Deutsche Bank strebe zur Stärkung ihres Privatkundengeschäfts gezielte Zukäufe an. Anläufe bei der Postbank und der Dresdner Bank waren in den vergangenen Jahren aber erfolglos geblieben.

Landesbank Berlin - vorerst letzter Akt

Die Landesbank Berlin (LBB) steht zum Verkauf. Internationale Investoren haben sich, um ihre Chencen beim Wettlauf um die Zuschlagsgunst des Berliner Finanzsenators Sarrazin zu verbessern, mit Banken zu Zweckgemeinschaften verbunden. Genannt werden die "üblichen Verdächtigen" wie Lone Star, Cerberus, Hellman&Friedman, Corsair, Flowers und die Texas Pacific Group. (Flowers und TPG boten bereits 2001 den Preis von 10 Mio. Euro - allerdings sollten die Risiken beim Land Berlin bleiben...) Darüber hinaus haben Interesse geäußert: der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sowie diverse Landes- und Privatbanken. Erhält eine Landesbank den Zuschlag, wird das Fusionskarussel an Geschwindigkeit zulegen; gewinnt eine Privatbank, so ist das der lang ersehnte Einstieg in den bisher tabuisierten Staatssektor und den öffentlich-rechtlichen droht ein langsames Ende.

Weiter Interessenten sollen sein: HVB, Commerzbank, GE Money, ABN Amro, Santander, BayernLB, WestLB und LBBW. Die heutige Eigentümerstruktur stellt sich zu 9% börsennotiert, zu 10% Deka Investmentfonds (Fondsanbieter der Sparkassen) und zu 81% im Eigentum des Landes Berlin dar.

Die Sparkassen wollen eine eigene Erwerbergesellschaft ins Rennen schicken, an der möglichst viele der deutschen Sparkassen Anteile halten sollen - geplant ist, ca. 4 Mrd. Euro einzusammeln. Denn der von Investmentberatern aufgerufene Preis liegt irgendwo um die 3 bis 5 Mrd. Euro.

Das Zitat zu Bankenfusionen:

Banken sind gefährlicher als stehende Armeen.
Thomas Jefferson (1743 - 1826), US-amerikanischer Jurist, Gutsbesitzer und 3. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika