KfW Bankengruppe, Abteilung Volkswirtschaft
Der Wohnungsmarkt macht seit einigen Jahren große Umwälzungen durch. Kommunale Wohnungsbestände und viele Werkswohnungen sind an private Investoren veräußert worden, weitere sollen folgen. Die Veräußerungen gehen einher mit einer Neuorientierung im sozialpolitischen Bereich: Kommunen sehen sich angesichts entspannter Wohnungsmärkte nicht mehr in jedem Fall in der Pflicht, mittels der Haltung von Wohnungsbeständen Daseinsvorsorge für diejenigen Bürger, die Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt haben, zu betreiben, oder greifen auf alternative Instrumente der Wohnungsversorgung zurück. Die neuen Eigentümer versuchen, zu rationalisieren, sie betreiben aktives Leerstands- und Vermietungsmanagement, streben eine flexiblere Instandhaltungstätigkeit an und wollen die Erträge steigern. Damit werden Wohnungen mehr als bisher zu einem Marktobjekt, an das Investoren Renditeansprüche knüpfen. In der Wohnungswirtschaft verstärken sich Entwicklungstrends zur Professionalisierung und Ökonomisierung - auch im öffentlichen Wohnungssektor. Dies löst bei Mietern und der interessierten Öffentlichkeit Besorgnis aus. Erst in den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob diese gerechtfertigt sind. Auch wenn die Zeichen am Wohnungsmarkt langfristig auf Entspannung stehen, da der demografische Wandel (Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung) für einen Rückgang der Wohnungsnachfrage sorgen wird, so steigt die Zahl der Haushalte nach derzeitigen Prognosen noch bis zum Jahr 2020 weiter an. Die aktuell geringen Fertigstellungszahlen können mittelfristig durchaus zu einem Nachfrageüberhang führen.
In dieser Publikation kann nicht die gesamte Bandbreite der Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt abgebildet werden. Wir haben die wesentlichen Trends und Entwicklungsrichtungen zusammengefasst. In Kapitel 1 wird der Wohnungsbau aus makroökonomischer Perspektive erläutert. In Kapitel 2 werden die wesentlichen Determinanten der Wohnungsnachfrage, insbesondere die demografischen Faktoren vorgestellt. In Kapitel 3 wird die Bedeutung der Wohnungswirtschaft für Stadtentwicklung und Stadtumbau erörtert, und in Kapitel 4 wird der Reformbedarf bei der Förderung wohnungswirtschaftlicher Investitionen analysiert. Kapitel 5 hat die neuen Anbieter auf dem Wohnungsmarkt zum Inhalt, und in Kapitel 6 werden die Finanzierungsaspekte aufgegriffen.
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