Über Jahrzehnte hinweg stieg die Bevölkerungszahl in Deutschland nahezu kontinuierlich an. Mit dem starken Absinken des Geburtenniveaus ab Mitte der 1960er Jahre verringerte sich dieser Geburtenüberschuss zunehmend und schlug zu Beginn der 1970er Jahre in einen wachsenden Sterbefallüberschuss um. Im Jahr 2011 wurden bereits rund 190.000 Menschen weniger geboren als im gleichen Jahr starben. Damit war diese zunehmend negative natürliche Bevölkerungsbilanz eine der Hauptursachen für den Rückgang des Bevölkerungswachstums. Betrachtet man die Entwicklung der Geburtenzahlen, so ist eine gewisse „Wellenbewegung“ zu erkennen: gibt es stärker besetzte Geburtsjahrgänge bei den Eltern – wie z. B. bei den Babyboomern – werden auch die Kinderjahrgänge stärker besetzt sein, auch wenn die Kinderzahl je Frau unverändert bleibt. Dieser Effekt schwächt sich von Welle zu Welle ab, lässt sich aber zum Beispiel an den höheren Geburtenzahlen Ende der 1980er Jahre erkennen. Man spricht hier auch von einem sogenannten Nachhalleffekt.

Ex-ante-Modellrechnungen

Langfristige Bevölkerungsvorausberechnungen sind Modellrechnungen oder Projektionen, die zeigen, wie sich eine Bevölkerung entwickeln würde, wenn man von bestimmten Annahmen für einzelne Komponenten – Geburten, Lebenserwartung, Wanderungen – ausgeht. Die damit errechneten Bevölkerungszahlen und Altersstrukturen bilden einen Rahmen für die wahrscheinlich zu erwartende Entwicklung, falls die getroffenen Annahmen in etwa eintreffen. Durch Bund und Länder werden auf der Basis der fortgeschriebenen Bevölkerungszahlen und –strukturen regelmäßig koordinierte Bevölkerungsvorausberechnungen erstellt, aktuell wird mit der 12. Vorausberechnung aus dem Jahr 2009 gearbeitet. Die nächste Vorausberechnung wird auf den Zensusergebnissen von 2011 beruhen. Besonders wichtig für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung sind die Wanderungsannahmen, da bei Lebenserwartung und Geburtenentwicklung keine sprunghaften Veränderungen zu erwarten sind. Für die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, die einen Zeitraum bis 2060 abbildet, wurden für die beiden Varianten der „mittleren“ Bevölkerung folgende Annahmen zugrunde gelegt:

>> Die zusammengefasste Geburtenziffer bleibt auf Dauer auf dem niedrigen Niveau von 1,4 Kindern je Frau, das durchschnittliche Gebäralter steigt weiter leicht an.

>> Die durchschnittliche Lebenserwartung nimmt bis 2060 weiter zu auf 85,0 Jahre (Männer) bzw. 89,2 Jahre (Frauen).

>> Jährlich ziehen 100.000 (Untergrenze der „mittleren“ Bevölkerung) bzw. 200.000 (Obergrenze der „mittleren“ Bevölkerung) mehr Personen nach Deutschland zu, als das Land verlassen.

Bei Eintreten dieser Annahmen würde die Bevölkerungszahl in Deutschland bis 2060 deutlich zurückgehen – je nach Wanderungsannahme auf rund 64,7 Millionen bei der Untergrenze bzw. rund 70,1 Millionen bei der Obergrenze der „mittleren“ Bevölkerung. Das würde einen Rückgang um 17 bzw. 12 Millionen Menschen gegenüber der Bevölkerungszahl des Jahres 2011 von 81,8 Millionen bedeuten.

Altersstrukturen und deren Auswirkungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Geburten-, Sterblichkeits- und Wanderungsentwicklung spiegeln sich auch im Altersaufbau der Bevölkerung wider. Und jener wiederum ist neben diesen drei Prozessen mitentscheidend für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung, da er deren Ausgangsbasis bildet.

Für die nächsten Jahrzehnte wird sich der Trend zahlenmäßig kleiner werdender Jahrgänge im jüngeren Alter fortsetzen, der Alterungsprozess in Deutschland wird sich beschleunigen. Selbst wenn die Kinderzahl pro Frau ansteigen sollte, würde dieser Trend durch den Rückgang der Anzahl potenzieller Mütter nur sehr langfristig gestoppt werden können.

Unter den Annahmen der 12. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung wird der Anteil der unter 20-Jährigen bis zum Jahr 2060 auf unter 16 % absinken und derjenige der älteren Menschen ab 65 Jahre weiter auf 34 % ansteigen.

Begründet ist dies durch das niedrige Geburtenniveau, das vor allem in Westdeutschland schon seit rund 40 Jahren das Geburtengeschehen bestimmt. Dadurch nimmt der Umfang der nachwachsenden Generationen deutlich ab – jede Kindergeneration ist etwa um ein Drittel kleiner als ihre Elterngeneration, wobei ein Generationenabstand heute bei etwa 30 Jahren liegt. Langfristig verringert sich damit nicht nur die Zahl der Kinder und Jugendlichen bis 20 Jahre von heute 14,9 Millionen auf zehn bis elf Millionen, sondern auch die Erwerbsbevölkerung von rund 50 Millionen könnte um mehr als ein Viertel absinken. Die Hauptauswirkungen sind dabei in den Jahren nach 2020 zu erwarten, wenn die geburtenstarken Jahrgänge – die Babyboomer – aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Bis 2020 haben wir es vor allem mit einem Alterungsprozess innerhalb der Erwerbsbevölkerung zu tun. Den stärksten Anstieg wird es in Zukunft bei den Hochbetagten ab 80 Jahre geben, was zu steigenden Anforderungen im Pflege- und Hilfebereich führen wird. Während ihr Anteil im Jahr 1871 noch unter 1 % lag, gehören heute bereits mehr als 5 % der Bevölkerung zu dieser Altersgruppe und bis zum Jahr 2060 wird mit einem Anstieg auf 14 % gerechnet. Das heißt, jeder Siebente wäre im Deutschland des Jahres 2060 mindestens 80 Jahre alt. Damit wäre der Anteil 80-Jähriger und Älterer nur geringfügig niedriger als der der unter 20-Jährigen. In Ostdeutschland hat sich die Verschiebung zwischen den Altersgruppen durch den Geburteneinbruch Anfang der 1990er Jahre und die hohe Abwanderung vor allem junger Menschen in noch stärkerem Maße vollzogen als in Westdeutschland. Der Anteil unter 20-Jähriger liegt hier gegenwärtig bei unter 15 % (West über 19 %) und der Anteil der Altersgruppe ab 65 Jahre bei knapp 23 % gegenüber 20 % in Westdeutschland.
Der demografische Wandel wird sich mittelfristig auch auf den Arbeitsmarktauswirken, weil sich mit der Alterung und der Schrumpfung der Bevölkerung auch die Erwerbstätigenstruktur verändern wird. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer, die gegenwärtig einen Großteil der Erwerbspersonen stellen, werden bis 2030 aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Befürchtungen, die aus ökonomischer Sicht im Zusammenhang mit der künftigen demografischen Entwicklung oftmals genannt werden, sind: ein Engpass an jungen und hochqualifizierten Mitarbeitern, ein Rückgang bei der Innovationskraft und Produktivität der Unternehmen sowie niedrigere Beitragszahlungen bei steigenden Sozialausgaben.

Fertilität

Deutschland weist mit 1,4 Kindern je Frau eine Fertilität auf, die langfristig dazu führt, dass jede Elterngeneration nur zu zwei Dritteln durch die nachfolgende Kindergeneration ersetzt wird. Damit verringert sich die Zahl potenzieller Mütter kontinuierlich.

Siehe dazu auch im Glossar quantitative Fakten zur Fertilität.

Ein Phänomen, das in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, ist die Kinderlosigkeit. Damit ist Deutschland im europäischen Rahmen zwar nicht allein, sie ist aber wesentlich stärker verbreitet als in vielen anderen europäischen Staaten. Innerhalb Deutschlands existieren jedoch erhebliche Unterschiede in der Kinderlosigkeit zwischen West- und Ostdeutschland, die sich in den letzten Jahren auch kaum verringert haben. So gelten in Deutschland 20,7 % der Frauen als kinderlos, dieser Wert wird vor allem durch Westdeutschland (22,4 %) geprägt, in Ostdeutschland liegt er mit 10,7 % deutlich niedriger. Im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern befindet sich Deutschland bezüglich seines Geburtenniveaus im unteren Bereich. Nur einige osteuropäische Länder, Portugal, Zypern sowie Andorra liegen im Jahr 2011 noch unterhalb des deutschen Niveaus. Im Gegensatz dazu stehen Island, Irland, die Türkei und Frankreich mit einer zusammengefassten Geburtenziffer von über zwei an der Spitze der europäischen Länder beim Geburtenniveau.

Außenwanderung

Migration von Ausländern

Der weitaus überwiegende Teil der ausländischen Migranten, die nach Deutschland zu- oder aus Deutschland abwandern, kommt aus europäischen Ländern. Im Jahr 2011 waren es jeweils mehr als drei Viertel der Zuzüge und Fortzüge von Ausländern, die auf das europäische Ausland einschließlich der Türkei entfielen. Der starke Anstieg des Zuwanderungssaldos der Ausländer im Jahr 2011 lässt sich auf zwei Ländergruppen eingrenzen: zum einen sind dies die osteuropäischen Länderwie Polen, Ungarn, Litauen und Estland, für die seit 2011 die Arbeitnehmerfreizügigkeit der EU auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt gilt, sowie Rumänien und Bulgarien, für die die Einschränkungen auf dem Arbeitsmarkt gelockert wurden. Zur zweiten Gruppe gehören die südeuropäischen Länder Griechenland, Spanien und Italien, in denen die Bevölkerung besonders stark von der Wirtschaftskrise betroffen war.

Migration von Deutschen

Die internationale Mobilität der Deutschen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verstärkt, womit die Abwanderung von Deutschen erheblich an Gewicht gewonnen hat. Während sich die Zahl wegziehender Ausländer seit den 1970er Jahren auf einem Niveau von 400.000 bis 500.000 Personen pro Jahr bewegt, hat sich die Zahl abwandernder Deutscher in diesem Zeitraum etwa verdreifacht und liegt nun bei rund 150.000 Personen pro Jahr. Aber nicht nur die Größenordnung hat sich in diesem Zeitraum verändert, sondern auch die Zielländer deutscher Abwanderung haben sich verschoben.

Die Textauszüge stammen aus der Broschüre „Bevölkerungsentwicklung 2013“ des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.

Rückläufige Bevölkerungszahlen stellen eine Hauptdeterminante des wachsenden Leerstandes bei Wohnungen dar. Der Stadtumbau ist darauf eine erste Antwort, wirft jedoch gleichzeitig neue Fragen auf: die Infrastrukturkosten der Ver- und Entsorgungsnetze werden auf weniger „Köpfe“ aufgeteilt – damit ist ein Anstieg der Betriebskosten als sog. „zweite Miete“ bereits vorprogrammiert.
Generell gilt wohl die Aussage, dass weniger Einwohner auch weniger Wohn- und Büroflächen nachfragen. Infolgedessen stellt sich die Frage, welche Auswirkungen sich daraus für die Altersversorgungs- und Anlagestrategie im Immobilienbereich im ergeben. Als Stichworte seien hier nur Vermietung und Fungibilität genannt.

Auch bei anderen Anlageformen und Anlageprodukten gibt es durchaus Skepsis, ob die prognostizierten Renditen erreicht werden. Wollen viele Ruheständler in einem zeitlich relativ engen Zusammenhang ihre Assets (Wertpapiere, Aktien, Anlagen) veräußern, entsteht die Gefahr eines Preisverfalls.

Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft

Für die Nachfrage nach Wohnraum spielt neben der Bevölkerungsentwicklung auch die Entwicklung der Zahl der Haushalte und deren Größe eine Rolle. Der Trend zu größeren Pro-Kopf-Wohnflächen und zu Haushalten mit immer weniger Haushaltsmitgliedern kann die Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs auf die Wohnraumnachfrage teilweise kompensieren. Zudem bestimmen das verfügbare Haushaltseinkommen sowie die Finanzierungsbedingungen (Kreditkosten) und die Art und Weise staatlicher Förderung die Nachfrage nach Wohnraum. Weiterhin können sich verändernde Wohnbedürfnisse (zum Beispiel ein allgemein wachsender Wunsch nach urbanem Wohnen, die zunehmende Nachfrage nach Barrierefreiheit durch ältere Mieter und ähnliches) die Nachfrage nach bestimmten Immobilien stärken oder schwächen.

Die BBSR-Prognose geht davon aus, dass Veränderungen in Größe und Zusammensetzung von Haushalten zukünftig auch in Regionen mit konstanten Bevölkerungs- und Haushaltszahlen zu deutlichen Nachfrageverschiebungen führen. Während der Anteil der Ein- und Zweipersonenhaushalte mit Bewohnern unter 60 Jahre mit 25 Prozent ungefähr gleich bleibt, sinkt der An-teil größerer Haushalte (mehr als zwei Personen) von 23 Prozent auf nur noch 17 Prozent. Der Anteil der Haushalte mit über 60-jährigen Bewohnern steigt von 35 auf 42 Prozent. Damit erhöht sich der Bedarf an altersgerechtem Wohnraum.

Weiterhin prognostiziert das BBSR steigende Eigentümerquoten bei Wohnimmobilien. Die Gründe: Erstens bewohnen derzeit lediglich 43 Prozent aller Haushalte eine eigene Immobilie, damit ist die Wohneigentumsquote in Deutschland eine der niedrigsten in Europa. Zweitens dürfte der Anstieg des Durchschnittsalters der Bevölkerung zur Bildung von Wohneigentum beitragen, denn ältere Menschen besitzen dies häufiger als jüngere. Und drittens werden zunehmend sowohl Immobilien als auch erhebliche Vermögen vererbt, was vielen Haushalten erst eine Wohneigentumsbildung ermöglicht. Da Eigentümer durchschnittlich in größeren Wohnungen wohnen als Mieter, sieht die Prognose bis zum Jahr 2025 noch eine um sechs Prozent steigende Nachfrage nach Wohnfläche voraus. Gleichzeitig dürften durch den Rückgang der Flächennachfrage bei Mietwohnungen (minus fünf Prozent) die Leerstände in diesem Wohnungstyp zunehmen.

Veränderung der Wohnbedürfnisse

Die demografische Entwicklung beeinflusst auch qualitative Aspekte der Immobiliennachfrage. Durchlaufen verschieden große Geburtskohorten (Geburtsjahrgänge) eine bestimmte Lebensphase, beeinflusst das die Gesamtnachfrage nach Wohnimmobilien. Dabei lassen sich Lebenszyklus-, Remanenz- und Kohorteneffekte unterscheiden.

Lebenszykluseffekte entstehen, weil sich die Wohnbedürfnisse eines Menschen im Laufe des Lebens entsprechend der jeweiligen Einkommens- und Lebenssituation ändern. So bezieht er im jungen Erwachsenenalter die erste eigene Wohnung, die klein aber preisgünstig sein muss. Es folgt in der Regel das Zusammenziehen mit einem Partner, wobei die benötigte Wohnfläche, aber auch der finanzielle Spielraum zunehmen. Im Alter zwischen 30 und 40 Jahren brauchen Menschen häufig erneut eine größere, dann familienfreundliche Wohnung. Im Alter schließlich suchen sie zunehmend altersgerechten, barrierefreien Wohnraum. Wenn beispielsweise die zahlenmäßig große Gruppe der „Babyboomer“, die in den 1950er und 1960er Jahren geboren wurden, gleichzeitig ins Rentenalter gelangt, beeinflusst dies die Nachfrageseite des gesamten Immobilienmarktes.

Der Remanenzeffekt wirkt in gewissem Maße dem Lebenszykluseffekt entgegen. Darunter versteht man, dass ältere Menschen häufig unabhängig von ihren tatsächlichen Bedürfnissen in großen Wohnungen oder Häusern leben, die sie in früheren Phasen ihres Lebens bezogen haben. Sie fühlen sich emotional daran gebunden oder scheuen den Aufwand und die Kosten eines Umzuges. Das deutsche Mietrecht fördert solche Remanenzen: Deutliche Mieterhöhungen können in der Regel nur bei der Neuvermietung einer Wohnung und nicht bei Bestandsmietern durchgesetzt werden. Deshalb ist ein Umzug von einer größeren, langjährig bewohnten Wohnung in eine kleinere Wohnung häufig nicht mit einer Mietersparnis, sondern unter Umständen sogar mit einer höheren Miete verbunden. Aus diesem Grund haben Menschen im Rentenalter den höchsten Wohnflächenverbrauch pro Kopf.

Kohorteneffekte entstehen durch eine Veränderung der Wohnbedürfnisse der ganzen Gesellschaft. Allgemein wachsender Wohlstand, aber auch ein Wertewandel und eine Veränderung der Lebensformen können dafür sorgen, dass Angehörige unterschiedlicher Generationen im gleichen Lebensalter unterschiedliche Wohnbedürfnisse haben. So bewohnen heutige Rentner im Mittel deutlich größere Wohnungen als Rentner vor 20 Jahren, weil sich der Standard des Wohnens allgemein verbessert hat.

Weitere Einflussfaktoren auf die Immobiliennachfrage

Andere Einflussfaktoren bei der Nachfrage nach Immobilien sind in ihrem tatsächlichen Auftreten umstritten, oder es ist ungeklärt, wie sie auf den Immobilienmarkt wirken. So könnte ein künftig sinkendes Rentenniveau dazu führen, dass immer mehr Menschen eigene Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Altersvorsorge unternehmen und sich Wohneigentum anschaffen. Dies könnte die Nachfrage zumindest nach bestimmten Immobilien in attraktiven Lagen erhöhen – und damit die Preise nach oben treiben.

Einen genau entgegengesetzten Effekt sieht die viel diskutierte Asset-Meltdown-Hypothese (Mankiw/ Weil 1989) voraus. Sie basiert auf einer Studie aus dem Jahr 1989 und geht davon aus, dass durch die demografischen Alterung der Gesellschaft immer mehr Menschen in das Rentenalter gelangen und ihre Ersparnisse aufbrauchen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Für den Immobilienmarkt würde dies bedeuten, dass mit einer alternden Bevölkerung immer mehr Immobilien zum Kauf angeboten werden, was zu einem Preisverfall führt.

Unsicher ist auch der Einfluss der künftigen Wohlstandsentwicklung auf Nachfrage und Wert von Immobilien. Auf der einen Seite dürften Engpässe bei Arbeitskräften zu einem Anstieg der Bruttolöhne führen – auf der anderen Seite werden die Kosten des demografischen Wandels höhere Steuern und Abgaben mit sich bringen. Insgesamt ist wahrscheinlich von einem, im Vergleich zu früheren Jahren, weniger starken Wohlstandswachstum auszugehen – was die Immobiliennachfrage abschwächen könnte.

Die Textauszüge stammen aus der Studie „ Wohnen im demografischen Wandel. Der Einfluss demokratischer Faktoren auf die Preisentwicklung von Wohnimmobilien.“ des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung von Steffen Kröhnert aus dem Jahr 2012.

Literaturempfehlungen

Frank Schirrmacher: Das Methusalemkomplott
ISBN: 3896672258

„Am Horizont der Zukunft“, schreibt Schirrmacher zu Beginn, „baut sich eine der erbittertsten Streitmächte gegen die Alten auf, die es je gegeben hat. Sie marschiert auf uns zu, die wir heute 20, 30 oder 60 Jahre sind, denn wenn der Krieg beginnt, werden wir die Älteren sein. Und die Gesellschaft, die wir geschaffen haben, nimmt den Alternden alles: das Selbstbewusstsein, den Arbeitsplatz, die Biographie. Unsere Lebensentscheidungen basieren auf Grundrissen und Daten eines vergangenen Jahrhunderts. Gingen wir mit dem Raum so um wie mit unserer Lebenszeit, würden wir in Postkutschen reisen.“

„Wir müssen verlernen, was unsere Kultur und unsere Biologie uns über das Alter eingaben. Sie haben, um es trivial auszudrücken, nicht mehr Recht. Es ist vorbei mit der unbestrittenen Herrschaft der Jugend über das Alter.“ Daraus gilt es, Konsequenzen zu ziehen. Und genau dafür bietet Schirrmacher viele interessante Anknüpfungspunkte.

Frank Schirrmacher: Minimum
ISBN: 3896672916

Wer ist da, wenn niemand mehr da ist? Jeder hat gelernt, dass er für die Zukunft vorsorgen muss. Wir sollen sparen, Geld und Vorräte anlegen. Aber kann man eigentlich Kinder sparen, die man nie geboren hat? Zu den knappen Rohstoffen der Zukunft wird etwas gehören, das man nicht sparen kann: Verwandte, Freunde, Beziehungen, kurzum das, was man soziales Kapital nennt. In den kommenden Jahren wird sich unsere Lebensweise radikal verändern. In vielen Ländern Europas wird eine wachsende Zahl von Kindern in ihrer eigenen Generation wenige oder gar keine Blutsverwandte mehr haben. Künftig sehen sich ganze Landstriche, wie heute schon Teile Ostdeutschlands, mit einer Wanderungsbewegung junger Frauen konfrontiert; zurück bleiben Männer, deren Chancen, eine Partnerin zu finden, immer geringer werden.
Frank Schirrmacher zeigt, dass unsere Gesellschaften auf diese Entwertung ihres sozialen Kapitals nicht vorbereitet sind: Der Wohlfahrtsstaat zieht sich in einem Moment als großer Ernährer zurück, in dem sich das private Versorgungsnetz aus Freundschaft, Verwandtschaft und Familie auflöst. Kann es in diesem Umfeld Uneigennützigkeit und Altruismus, selbstlose Hilfe und Unterstützung für den anderen überhaupt noch geben? Der Zusammenbruch unserer sozialen Grundfesten zwingt uns, unser alltägliches Zusammenleben von Grund auf umzuorganisieren. Dabei werden Frauen eine alles entscheidende Rolle spielen.

„Wenn du einen Jungen erziehst, erziehst du eine Person, wenn du ein Mädchen erziehst, erziehst du eine Familie und eine ganze Gemeinschaft – ja, eine Nation.“ (JAMES D. WOLFENSOHN, EHEMALIGER WELTBANKPRÄSIDENT)

Demografiegipfel in Sachsen

Sei 2004 beschäftigt sich eine Expertenkommission mit Fragen des Demografischen Wandels in Sachsen. Die Expertenkommission hat auf dem zweiten sächsischen Demografiegipfel den Abschlussbericht „Demografischer Wandel Sachsen“ (pfd-Datei, 1,2 MB) vorgestellt.
Da die Bevölkerungsentwicklung selbst durch politische Maßnahmen kaum beeinflussbar ist, versucht die Kommission aufzuzeigen, wie mit der Schrumpfung und Alterung unserer Gesellschaft umzugehen ist und wo deren Chancen liegen.

In der Familienpolitik

  • Die Erhaltung des bestehenden überdurchschnittlichen Niveaus der Kinderbetreuung,

  • das flexible Anpassen der Kinderbetreuungszeiten an die Arbeitszeiten,

  • das Verbessern von Betreuungsmöglichkeiten während der Ausbildung, insbesondere des Studiums,

  • das Finden von weiteren Solidaritätsformen außerhalb familiärer Strukturen finden wie z. B.

  • in Mehrgenerationenhäusern oder

  • in Pflegekonzepten der gegenseitigen Verpflichtung,

In der Raumentwicklung

  • ein Paradigma der Schrumpfung und des Umbaus als Ergänzung des wachstumsorientierten Planungsverständnisses,

  • flexible, auf die jeweilige Region zugeschnittene Lösungen,

  • das Bereitstellen regional differenzierter Daten für ein regionales Benchmarking,

  • die Durchführung regionaler Dialoge über Chancen und Risiken durch regionale Anpassungs- und Entwicklungsstrategien, das Stärken städtischer Zentren,

  • ein Interkommunales Baulandmanagement als landesweiter Standard zur Kontrolle von Baulandausweisungen in schrumpfenden Regionen,

  • regionale Innovationswettbewerbe zur Förderung der Kooperation zwischen den kommunalen Gebietskörperschaften,

im Bildungsbereich

die Erhöhung der Qualität der Ausbildung in der gesamten Breite durch:

  • die Verzahnung zwischen Kindergarten und Schule,

  • eine größere Autonomie von Schulen und Hochschulen und

  • neue Kooperationsformen mit staatlicher Koordination zur Aufrechterhaltung weit gefächerten Bildungsangebote,

  • eine sächsische Initiative für eine bundesweiten Finanzausgleich der Hochschulfinanzierung „Geld folgt Studierenden“,

  • die Stärkung von Weiterbildung und lebenslangem Lernen“,

In der Wirtschaftspolitik

  • die Bekämpfung eines möglichen Fachkräftemangels in Sachsen durch

  • eine Politik des Brain Gain“,

  • eine lebenszyklusorientierte Personalpolitik mit flexibleren Arbeitszeiten und

  • die verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf,

  • Beschäftigung vor Versorgung bei den Geringqualifizierten durch

  • Aufstockung geringer Einkommen mittels Steuergutschriften und

  • die Förderung von Ausbildungsschwachen nach dem Vorbild der dänischen Produktionsschulen

In der Gesundheitsfürsorge

  • eine bessere Vernetzung von ambulanten, stationären, pflegerischen und rehabilitativen Leistungen,

  • das Umstrukturieren von Gesundheitseinrichtungen entsprechend altersspezifischer Bedarfe im Einzugsbereich,

  • das Entwickeln einer landesweiten Strategie für Pflegedienstleistungen,

  • den Aufbau geriatrischer und geriatrisch-rehabilitativer Strukturen,

  • das Fördern von Präventionsmaßnahmen und Bevölkerungsaufklärung in gesundheitspolitischer Hinsicht,

Bei den öffentlichen Ausgaben des Freistaates

  • die Verankerung der Verpflichtung zu nachhaltiger Haushaltspolitik und eines Verschuldungsverbot in der Landesverfassung finden,

  • die Ausweitung des bestehenden Pensionsfonds und seinen Schutz durch verfassungsrechtliche Verankerung,

  • die Ermittlung von Einsparpotenzialen und Mehrbedarfen aufgrund des demografischen Wandels durch Untersuchung der Demografiesensitivität aller laufenden Ausgaben des Freistaates,

  • eine regelmäßige finanzpolitische Nachhaltigkeitsberichterstattung zur Kontrolle der Tragfähigkeit der Ausgaben,

Bei der Reform Gebiets- und Verwaltungsstrukturen

  • eine Vergrößerung der Landkreise in peripheren, schrumpfenden Regionen,

  • die Verschmelzung kleinerer kreisfreier Städte mit ihren umliegenden Landkreisen,

  • eine dezidierte Umsetzungsstrategie mittels Stärkung von Autonomie, Deregulierung, Wettbewerb sowie der Ressorts und Verwaltungsebenen übergreifenden Kooperation,

  • eine Installation von Koordinationsmechanismen zur Überwindung von Ressort- oder Regionalegoismen

In der Bundespolitik

  • die Nutzung der Pionierfunktion Sachsen für Initiativen auf der Bundesebene.

Weitere Studien und Analysen zur Demografie finden sich unter diesem Link.

Das Zitat zur Demografie:

„Kinder kriegen die Leute immer.“ Konrad Adenauer