Zinsderivate und derivative Finanzierungsformen – tatsächlich eine Problemlösung für alle Fälle, wenn das klassische Kreditmanagement an seine Grenzen stößt? Im Download-Bereich steht unter dem o.g. Link ein Beitrag zur Verfügung, der die Grundlagen von derivativen Finanzierungen erläutert. Inhaltliche Schwerpunkte sind:

  • Definitionen und Begriffe oder: Fachchinesisch transparent gemacht
  • Produktübersicht
  • Funktionsweise von Derivaten anhand von Beispielen
  • Chancen und Risiken
  • Zinssicherung oder Spekulation?
  • Kosten und Effekte für Bank und Kunde

Spread Ladder Swaps

Spread-Ladder-Swaps sind im Grunde genommen nichts weiter als eine Spekulation (oder Wette?) auf die Steilheit der Zinsstruktur, das heißt den Abstand im Zinssatz zwischen kurzfristigen und langfristigen Refinanzierungszinssätzen.
Kommunen und Unternehmen haben in der jüngeren Vergangenheit häufig CMS-Spread-Ladder-Swaps zur Optimierung ihres Schuldenmanagements eingesetzt.
Dabei wird die Fristentransformation in einer nicht sofort durchschaubaren Berechnungsstruktur verwendet. Bleibt die Zinsstruktur hinreichend steil, beschert sie dem Inhaber einen Zahlungsüberschuss. Erst ein Abflachen der Zinsstruktur, wie sie in der jüngsten Vergangenheit zu beobachten war, führt zu Verlusten. Mittels historischer Simulationen lässt sich zeigen, dass die Kontrakte im Durchschnitt vorteilhaft sind, auflaufende Verluste jedoch bis zu 100% des Nominalwertes betragen können.
Die Berechnungsstruktur beinhaltet einen Hebeleffekt (ladder=Leiter) und bewirkt, dass einmal auftretende Verluste nur schwer wieder aufgeholt werden können, da sich die Zinsberechnung immer auf den Vorjahreszeitraum und das Vorjahresergebnis bezieht. Die Bank zahlt einen festen Zins von bspw. 3,5%, während das Unternehmen selbst einen variablen Zins zahlt, der sich bspw. nach den unten stehenden Formeln berechnet. Die verwendeten Werte sind durchaus typisch, werden aber im Einzelfall abweichen; das Grundprinzip aber ist immer gleich.

1. Jahr: garantiert 2,00% p.a.
2. Jahr: Zinssatz der Vorperiode + 3 * [(1,10% -(10-Jahreszins -2-Jahreszins)]
3. Jahr: Zinssatz der Vorperiode + 3 * [(0,95% -(10-Jahreszins -2-Jahreszins)]
4. Jahr: Zinssatz der Vorperiode + 3 * [(0,80% -(10-Jahreszins -2-Jahreszins)]
5. Jahr: Zinssatz der Vorperiode + 3 * [(0,65% -(10-Jahreszins -2-Jahreszins)]

So lange eine ausreichend große Differenz zwischen kurz- und langfristigen Zinsen vorhanden ist, wirft der Swap Überschüsse ab. Schrumpfen dagegen die Differenzen im Zinssatz, ergeben sich schnell negative Werte, die aufgrund der Ladder-Struktur lange nachwirken. 12602273_m

Von der Deutschen Bank lernen

Wir leben in einer Wissensgesellschaft, in der individuelles und kollektives Wissen immer stärker zur Grundlage des Zusammenlebens werden soll. Und da können wir dem Management der Deutschen Bank nur dankbar sein, dass wir die Möglichkeit haben, unser Wissen ständig zu erweitern und von der Deutschen Bank zu lernen.

Angefangen hat es damals mit Hilmar Kopper, der uns schon 1994 auf die neue Arithmetik der Banken einschwor. Er bezeichnete damals die 50 Mio. DM Verlust des Immobilienpleitiers Jürgen Schneider als Peanuts und der Mann hatte Recht: Was sind schon runde 25 Mio. € im Vergleich zu 220 Mrd. € des Finanzmarktstabilisierungsfonds, wie wir inzwischen gelernt haben.

Ja und dann kam Josef Ackermann, der 2002 als neues Ziel für die Deutsche Bank 25 % Rendite vor Steuern auf das eingesetzte Eigenkapital verkündete. Die Auflösung des Rätsels, wie man so etwas schafft, folgte auf dem Fuße und wir lernten: Sale-and-lease-back-Geschäfte mit eigenen Immobilien, Rückkauf eigener Aktien an der Börse, kurzum alles, was dazu angetan ist, das eingesetzte Kapital zu verringern; denn selbst wenn der Gewinn konstant bleibt, bei einem trickreich verringerten Eigenkapital steigt damit die EK-Rendite.

Die Erschütterung der Finanz- und Kapitalmärkte hat mit etlicher Zeitverzögerung zur Suche nach deren Ursachen geführt. Und endlich hat man auch die mitunter hinter exotischen Formulierungen, wie Butterfly-Swaps verborgenen Finanzprodukte als das bezeichnet, was sie sind, nämlich Wetten. Die Deutsche Bank bietet derzeit etwa 40.000 Wetten an. Noch gut erinnern wir uns an die legendären Spread-Ladder-Swaps, mit denen viele öffentliche Kunden millionenschwere Verluste einfuhren, als sie mit Hilfe der Deutschen Bank auf den Euribor wetteten. Nun verbot die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Leerverkäufe auf Staatsanleihen und bestimmte Finanztitel, was einen erbosten Josef Ackermann auf den Plan rief, der die regulative Wirkung der Märkte beschwor, die völlig unschuldig – lediglich Signalwirkung hätten. (Auch wenn der Vergleich hinken mag: Die Hersteller von Waffensystemen sind stets ohne Schuld, wenn es um deren Einsatz und die damit verbundenen Wirkungen geht. Man spricht dann gern von Kollateralschäden. Merke: Diesen Effekt gibt es auch an den Finanzmärkten.)

Aber wir können heute noch viel mehr von der Deutschen Bank lernen. Rainer Neske ist Vorstand der Deutschen Bank für den Privat- und Geschäftskundenbereich und sagt, dass sich die Banken noch stärker auf die Kunden fokussieren müssen, um ihr Geschäftsmodell zu legitimieren und um das Vertrauen der Gesellschaft zurück zu gewinnen. Das sind starke Worte, die wir voller Sympathie zur Kenntnis nehmen. Aber es wird noch viel besser: War die Deutsche Bank in der Vergangenheit auf „Kundenorientierung“ aus, so will sie den „Kundennutzen“ als neuen Maßstab verstanden wissen. Und das ist doch nun wirklich einmal eine gute Nachricht. Die Bank wird sich künftig nicht nur an uns, als Kunden orientieren, sondern sie will uns tatsächlich einen messbaren Nutzen schaffen. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass auch alle anderen Banken ebenso schnell den Kundennutzen zum Unternehmensziel erklären, und ebenso wie wir alle, von der Deutschen Bank lernen.41818583_m

PS: Ich erinnere mich noch gut, dass in Zeiten knappen Taschengeldes mitunter gewettet wurde. Man mag über die moralische Dimension des kindlichen Versuchs der Vermögensmehrung mittels Wetten geteilter Meinung sein: denn wurden Wetten angeboten, so war der Initiator peinlich darauf bedacht, dass seine Gewinnchancen höher waren, als die des Wettgegners.

Banken bieten heute auch Wetten an, auf Indizes wie den DAX oder Anlageklassen, wie Rohstoffe oder Agrarprodukte usw. Wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass die wettanbietenden Banken ihre eigenen Wetten gewinnen?

Was man da tun kann? Einfach nicht mehr wetten.

P.S.: Ein wunderbares Buch hat dazu Greg Smith mit dem Titel „Die Unersättlichen“ geschrieben. Smith war 12 Jahre lang bei Goldmann Sachs beschäftigt und gibt interessante Einblicke in die Denk- und Handlungsweise dieser Bank.

Zitate zum Thema Derivate

  • „Mit Derivaten lässt sich locker das Zwanzigfache des eingesetzten Kapitals vernichten.“ Prof. Hermann Locarck-Junge, TU-Dresden
  • „…finanzielle Massenvernichtungswaffen…“ Warren Buffet