Was bisher geschah

Für die seit etwa Mitte 2007 an den Kapital- und Finanzmärkten wütende Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt sind schon nach kurzer Zeit die Mortgage Backed Securities (MBS) als Krisenauslöser identifiziert worden. Die tatsächlichen Ursachen reichen jedoch weiter in die Vergangenheit und lassen sich bei weitem nicht so simpel darstellen: So haben die laufenden und historisch beispiellosen Zinssenkungen der FED unter Alan Greenspan, verbunden mit immer laxeren Kreditvergaberichtlinien, tlw. ohne Eigenkapital der Hauskäufer, die Hypothekenbanken zu Spekulationen auf steigende Immobilienpreise veranlasste. Schon in 2005 warnten Marktbeobachter vor dem Platzen der Immobilienblase; seit diesem Zeitpunkt befinden sich die Immobilienmärkte praktisch im „freien Fall“. Man muss wissen, dass die Hypothekenfinanzierungen in den USA im Allgemeinen ohne Zinsbindung erfolgen. Steigende Zinsen stellen insbesondere „Schwellenhaushalte“ vor unlösbare Probleme mit weitreichenden Konsequenzen: Privatinsolvenzen bei Kreditnehmern und drohende Verluste in Höhe von ca. 100 Milliarden Dollar für Finanzierer. Ein Ausweg für Kreditnehmer ist meist nicht in Sicht- für die Banken allerdings in der Vergangenheit schon, nämlich in Form von Verbriefungen über MBS zur Beschaffung erforderlicher Mittel. MBS sind Wertpapiere, die durch Hypotheken auf Wohnhäuser gedeckt sind, so genannte Mortgage Backed Securities. Käufer waren weltweit Banken, Fonds und andere Finanzunternehmen im Glauben an eine sichere Geldanlage. MBS enthalten unterschiedliche Risikotranchen, wobei der größte Teil aus Hypotheken schwacher Schuldner besteht. Verkaufbar waren die MBS nur wegen der gebotenen höheren Zinsen.
Mögliche Probleme waren aber auch für Investoren erkennbar für den Fall, dass Schuldner ausfielen. Damit sann man auf einen neuen Ausweg, nämlich „Mezzanine-CDO“, bestehend aus bspw. BBB-Hypotheken und deren Verkauf an andere Investoren mit nochmaligem, kräftigen Zinsaufschlägen. Eigenartig war allerdings, dass die Bewertung von bis zu 80 % der aus alten BBB-Tranchen bestehenden CDO mit AAA durch renommierte Ratingagenturen erfolgte. Spätestens hier stellt sich die Frage: Wer kontrolliert die Kontrolleure und wer ratet die Ratingagenturen? Doch damit nicht genug: Die Krise brachte auch eine Novität: Mezzanine-CDO2, bestehend aus den schlechtesten Tranchen der (normalen) Mezzaninen-CDO mit nochmals höheren Zinsen….

Das weltweit geschätzte Pool-Volumen an Mezzanine-CDO beläuft sich auf ca. 180 bis 250 Milliarden Dollar. Bemüht man den historischen Zusammenhang, so werden Erinnerungen wach an die Savings-and-Loans-Krise Anfang der 90er Jahre, die ebenfalls aufgrund laxer Kreditvergaben zustande kam. Damals zahlten US-Steuerzahler; heute zahlen globale Investoren aus Japan, Korea, Canada, Deutschland, Schweiz usw.

Dieser Sachverhalt mag bitter sein, beinhaltet aber noch einen anderen Aspekt, nämlich die Frage, die sich stellt ist, ob denn die frühzeitige Einführung von Basel II dieses Schlamassel verhindert hätte. Die Antwort lautet: Sicherlich nicht vollständig, aber immerhin wären die Auswirkungen womöglich etwas weniger verheerend ausgefallen. Und noch eine Anmerkung sei gestattet: Gerade die vielgescholtene langfristige deutsche Finanzierungskultur hat angesichts hochvolatiler Märkte wieder einmal mehr ihre Überlegenheit gegenüber kurzfristigen 100%-Finanzierungen bewiesen.

Die Konsequenzen aus dieser desaströsen Entwicklung waren Abschreibungen in Höhe mehrerer Milliarden Dollar ab dem II. Quartal 2007 bei praktisch allen namhaften Banken. Betroffen waren solch große Namen wie UBS, Citigroup, Merill Lynch aber auch die Deutsche Bank, die nur mit außerordentlichen Erträgen ihre Quartalsbilanz schönen konnte: Man verkaufe ein eigenes Verwaltungsgebäude mit einem entsprechenden trading profit, der sofort bilanzwirksam ist. Dass die Bank weiter im Gebäude bleibt und künftig Miete zahlen wird, schlägt sich in der Bilanz ja nicht negativ nieder – und die Analysten sind es zufrieden.

Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds vom April 2008 belaufen sich die Verluste als Folge der Finanzkrise auf bis zu 945 Milliarden US-Dollar (603 Milliarden Euro). Im September 2008 sprach der IWF von Verlusten für das Finanzsystem insgesamt von schätzungsweise 1,3 Bio. US-Dollar, wovon ein Teil inzwischen durch Abschreibungen und Kapitalerhöhungen abgewickelt sei. Mitte 2009 war gar von 4,05 Bio. US-Dollar die Rede. Das sind 4.050.000.000.000 U$. Die Leichtigkeit, mit der heute über diese Zahlen gesprochen wir, legt mitunter die Vermutung nahe, dass die Finanzjongleure über eine andere Arithmetik verfügen…

Die Subprime-Krise in den Vereinigten Staaten und die plötzliche Illiquidität des bisher stark wachsenden Marktes mit forderungsbesicherten Wertpapieren brachten im Jahre 2007 die beiden Bankhäuser IKB Deutsche Industriebank und Sachsen LB in existenzbedrohende Krisen, da sie ihre angekauften Forderungen nicht mehr im Geldmarkt refinanzieren konnten. Auch die im öffentlichen Besitz befindlichen BayernLB und WestLB, mussten wegen fehlender Marktwerte Milliardenbelastungen verbuchen.

Anfang Oktober 2008 musste für die Hypo Real Estate ein Rettungsplan erarbeitet werden, nachdem es für deren irischen Tochter Depfa als Folge des herrschenden Misstrauens zwischen den einzelnen Banken schwierig wurde, anfallende Verbindlichkeiten kurzfristig zwischenzufinanzieren – was vor der Krise noch problemlos möglich gewesen war. Ein Bankenkonsortium stellte hierbei eine Bürgschaft von 50 Mrd. Euro zur Verfügung, von der der Bund 26,5 Mrd. Euro übernahm. Anfang 2009 musste nachgebessert werden, sodass insgesamt 80 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt wurden – das sind ungefähr 1.000 Euro pro Bundesbürger. Erstaunlich ist, wie es der Finanzindustrie gelungen ist, uns alle miteinander als Steuerzahler in kollektive Geiselhaft zu nehmen und dafür zahlen zu lassen… Im Übrigen haben wir es inzwischen aufgegeben, die jeweils aktuellen Werte für die Inanspruchnahme von Bürgschaften, Staatshilfen usw. aufzuzählen. Denn kaum addiert, gibt es schon wieder neue kleinlaute Eingeständnisse, dass man hier und da eine Milliarde eben mal mehr braucht. Und wer und wie unser aller Geld ausgegeben wird, erfahren Sie auf der Webseite des „Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung“ (SoFFin).

CMBS – Commercial Backed Securities

Für fällige verbriefte Gewerbeimmobilienkredite wurden in 2012/2013 schlechte Aussichten auf Refinanzierung und Rückzahlung angenommen. Begründung dafür lieferten die hohen Verschuldungsquoten (LTV). Bei den meisten CMBS-Krediten lagen die berichteten LTV´s bzw. die errechneten LTV´s bei über 80 %. Es wurde befürchtet, dass die Banken zwar wieder in größerem Umfang Kredite ausreichen, aber i.d.R. unterhalb von 80 % Beleihungsquote bleiben würden. Deshalb wurde der Einsatz von Eigenkapital für die Refinanzierung der CMBS-Kredite als unbedingt notwendig erachtet. Nunmehr lässt sich sagen, dass kaum eine CMBS-Struktur wirklich geplatzt ist. In Deutschland wurden bis Ende 2013 CMBS-Transaktionen mit einem Volumen von rund 30 Milliarden Euro fällig. Die Summe der zusätzlich anstehenden Verlängerungen für reguläre Darlehen erhöhte auch bei Kreditinstituten die Bereitschaft, hierfür frühzeitig Lösungen zu finden. Es kann durchaus von einer „Refinanzierungswelle“ gesprochen werden. Für Transaktionen, deren ursprüngliche Laufzeit bereits verstrichen war, gab es unterschiedliche Lösungen, wie die Nutzung von vorhandenen vertraglichen Verlängerungsoptionen oder die Verlängerung auf bisheriger Basis (in aller Regel werden Anleger bei dieser Option deutliche bessere Konditionen verlangen, welche vom Immobilieninverstor zu zahlen sind). Eine weitere Möglichkeit war die Ablösung der CMBS-Strukturen durch Bankkredite. Dabei sind grundsätzlich folgende Punkte wesentlich:

  • positive Bewertung der Bonität und des Managements der Immobilieninvestoren,

  • Qualität und Zustand der Immobilien und deren objektive Bewertung,

  • je nach Komplexität eines Deals erforderliche strukturierte Finanzierung.

Im Jahr 2014 refinanzierte die Gagfah ein Immobilienportfolio mit mehr als 60.000 Wohnungen und ca. 470 Gewerbeobjekten durch eine Verbriefung über 2,1 Milliarden €. Sie platzierte dafür über eine irische Zweckgesellschaft Commercial Backed Securities.

Die Auswirkungen der Finanz- und Hypothekenkrise auf die Realwirtschaft

Die schwerwiegenden wirtschaftlichen und finanziellen Verluste, die durch die Finanz- und Hypothekenkrise hervorgerufen wurden, schlugen sich erheblich in der realwirtschaftlichen Entwicklung nieder. Die Auswirkungen übertrugen sich über vier Kanäle, die eine Deflation schürten:

Vermögenskanal

Das Privatvermögen etlicher Haushalte hat sich vor allem durch Kursverluste an den Anleihe- und Aktienmärkten reduziert. Je höher die Vermögensverluste, desto stärker werden die Konsumausgaben eingeschränkt, da weniger Mittel für den Konsum zu Verfügung stehen. Kreditaufnahmen für Konsum- und Investitionsausgaben werden durch erhöhte Risikoprämien und damit steigende Finanzierungskosten erschwert. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage geht zurück, die Unternehmen produzieren weniger und beschäftigen weniger Arbeitnehmer.

Erwartungskanal

Dieser Kanal beschreibt die Zunahme der Verunsicherung und pessimistischen Zukunftserwartungen aufgrund der Ausmaße der Krise. Die Finanzkrise habe zu erheblichen Vertrauensverlusten geführt, wie sich aus Umfragen unter Konsumenten und Unternehmen ergab. Empirische Untersuchungen belegen das. Gemäß der Konsumtheorie werden Investitionsausgaben und Konsum aufgrund geringerer Einkunftserwartungen angepasst. Stattdessen werden Sicherheitspuffer für die als unsicher wahrgenommene Zeit gebildet.

Kreditkanal

Die hohen Zinsaufschläge der Interbankenkredite kennzeichneten die starken Vertrauensverluste zwischen den Banken; teilweise kam der Interbankenhandel vollständig zum Erliegen, was wiederum die EZB veranlasste, liquiditätsstützende Maßnahmen zu ergreifen. Die Kreditvergaberichtlinien wurden auch gegenüber den Kunden verschärft, die Risikoaufschläge stiegen und erhöhten somit die Finanzierungskosten für Unternehmen und Konsumenten.

Exportkanal

Die globalen Auswirkungen der Finanzkrise bewirkten einen weltweiten Rückgang der Konsum- und Investitionsgüternachfrage. Derartige Nachfrageverluste trafen vor allem führende Exportländer wie Deutschland stark und hatten somit wieder direkt negative Auswirkungen auf Produktion und Beschäftigung.

Die Bundesregierung verabschiedete 2008 das Maßnahmepaket „Beschäftgungssicherung durch Wachstumsstärkung“ (Konjunkturpaket I) und 2009 ein zweites Konjunkturprogramm „Pakt für Beschäftigung und Stabilität in Deutschland zur Sicherung der Arbeitsplätze, Stärkung der Wachstumskräfte und Modernisierung des Landes“ (Konjunkturprogramm II) um die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise auf die Realwirtschaft zu mildern und die schwere Rezession im Winterhalbjahr 2008/09 zu überwinden.

Was ist zu tun?

Banken nehmen zentrale Stellung als Ursache und bei der Bewältigung der Krise ein:

  • Senkung Zinsniveau weltweit (fast)

  • Fiskalpakete zur Stützung der Konjunktur

  • Credit Easing

  • Bad Banks

Weltweite Ziele

  • Geldhortung stoppen und

  • langfristige Erwartungen steigender Zinsen und Preise wecken

  • Deflation vermeiden und/ oder bekämpfen

Lehren aus der Vergangenheit

  • 1. Think big.

  • 2. Act quickly.

  • 3. Clean up later

Versuch eines Ausblicks

  • in kommenden Jahren = Mix (Wachstum + Inflation)

  • der Entschuldungsprozess der Finanzsysteme dauert …

  • geringere Ausstattung mit Fremdkapital für alle Akteure

  • Rolle des Staates wächst wegen sinkender Nachfrage im Privatsektor

  • globales Wirtschaftswachstum wird zunehmend von Schwellenländern getragen

  • starke Verschuldung des öffentlichen Sektors birgt enorme Inflationsrisiken

  • besonderes Problem für „Emerging Markets“

  • Krise wird wegen des entschlossenen und massiven Eingriffes der Politik wahrscheinlich schneller überwunden

  • intensive internationale Vernetzung kann bewirken, dass schneller gesundende Länder andere mitziehen

Wenn es nicht so nicht so traurig wäre…

…dann könnte man sicherlich noch herzhafter über dieses Video lachen. Sollte Ihnen das Lachen im Hals stecken bleiben – glauben Sie, die Realität der Casino-Banker sieht nicht viel anders aus.