als Möglichkeit zur Konfliktlösung

Mediation ist ein Verfahren, in dem ein neutraler Dritter als Mediator gemeinsam mit den Konfliktparteien eine Lösung des Streites auf der Basis eines Vergleichs erarbeitet. Die Mediation ist ein außergerichtliches Verfahren zur Lösung von Konflikten. Es bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber einer gerichtlichen Auseinandersetzung: Es ist nicht nur erheblich preiswerter und schneller – die Beteiligten haben nach erfolgreichem Abschluss eines Mediationsverfahren i.A. ein weniger belastetes Verhältnis zueinander, als nach einer Auseinandersetzung vor Gericht. In der praktischen Beratungstätigkeit der Finanz- und Wirtschaftsberatung Dr. Winkler GmbH wird regelmäßig dann auf Mediationsverfahren zurückgegriffen, wenn Verhandlungen mit kreditgebenden Banken und Finanzierungsgläubigern und/oder auch mit Gesellschaftern im Kontext zu Konsolidierungs- oder Sanierungskonzepten erforderlich sind. Es gilt dabei, praktikable Lösungen gemeinsam und bei Gesichtswahrung jedes der Beteiligten zu finden, die die wirtschaftlichen und gesellschaftsrechtlichen Interessen aller Parteien angemessen berücksichtigt. Dass ein solches Verfahren nicht einfach sein kann, liegt auf der Hand, da häufig diametral entgegengesetzte Auffassungen und Philosophien aufeinander treffen und vermittelt werden müssen.

Die Mediation versucht grundsätzlich die Frage des kompetitiven Verhandelns zu vermeiden, wenn beide Verhandlungspartner die Verhandlung mit Maximalforderungen beginnen und nur noch um Konzessionen der Gegenseite gerungen wird. Diese „wie auf dem Basar“ anmutende Strategie ist häufig wenig zielführend, zumal die Streitenden glauben, die dezidiert vorgetragenen Positionen ohne Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit nicht aufgeben zu können.

5806464_m

Als Alternative bietet sich hier das Harvard-Konzept an, das als Grundlage für viele Mediationsverfahren dient und auch als kooperatives Verhandeln bezeichnet wird. Kerngedanke dieser Vorgehensweise ist, dass Parteien in ihren Verhandlungen nicht unbedingt primär um die Erfüllung ihrer Forderung bzw. Position, sondern um hinter den Positionen stehende Bedürfnisse bzw. Interessen streiten. (Bekannt ist der Streit zweier Kinder um eine Apfelsine, den die Mutter zu schlichten hat. Ohne die eigentlichen Interessen der Kinder zu kennen, würde sie die Apfelsine wahrscheinlich teilen. Tatsächlich will eines der Kinder die Frucht essen, während das andere die Schale für die Weihnachtsbäckerei benötigt…)

Das Harvard-Konzept regt auch zu Beginn des Mediationsverfahrens an, darüber Klarheit zu schaffen, was die Streitbeteiligten bei Scheitern der Mediation unternehmen werden.

Die Mediation wird üblicherweise als Fünf-Phasen-Verfahren durchgeführt:

  • In Phase 1 werden zunächst keine Sachfragen erläutert, sondern lediglich das weitere gemeinsame Vorgehen und Regeln besprochen und festgelegt.

  • Die Phase 2 beinhaltet die Darlegung des streitgegenständlichen Sachverhaltes durch die beteiligten Parteien, wobei der Mediator die Ausführungen zusammenfasst, strukturiert und schriftlich fixiert.

  • In Phase 3 erfolgt die Objektivierung der subjektiv dargelegten Statements aus Phase 2 durch zusätzliche Informationsbeschaffung, eventuelle Sachverständige usw. Ziel ist, dass am Ende diese Phase Parteien und Mediator Einigkeit darüber haben, über was überhaupt gestritten wird.

  • Phase 4 beinhaltet die eigentliche Suche nach Lösungen durch den Mediator, indem möglichst viele Varianten gesammelt, diskutiert und gewertet werden. Auch kompetitive Situationen lassen sich so bewältigen.

  • In Phase 5 wird schließlich eine sich abzeichnende Lösung von den Beteiligten in einen verbindlichen Vergleichsvertrag umgesetzt.

Interessanterweise erinnert das Fünf-Phasen-Verfahren im Aufbau und Ablauf an das klassische Drama in (ebenfalls) fünf Akten:

  • 1. Akt: Exposition – Einführung in die Themen und in den Kreis der Personen.

  • 2. Akt: Der Konflikt wird klar herausgestellt.

  • 3. Akt: Der Höhepunkt des Konfliktes ist erreicht.

  • 4. Akt: „Peripetie“ (Wendepunkt) mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten des Konfliktes.

  • 5. Akt: Lösung des Konfliktes.

Bei einer alternativ einzusetzenden Technik sprechen die streitenden Parteien praktisch ausschließlich in persönlichen Gesprächen mit dem Mediator, der laufend zwischen den beiden Parteien wechselt, die während der gesamten Mediation kein einziges Wort von der Gegenseite hören müssen. Der Mediator verhandelt als „Advokat des Teufels“ mit jeder Partei getrennt. Wenn nach einigen Stunden eine Einigung möglich ist, werden die Parteien zusammen gerufen, um direkt eine Vereinbarung zu schließen, man lässt ihnen auf gar keinen Fall die Chance, sich es noch einmal anders zu überlegen.

Das Zitat zur Mediation:

Streitende sollten wissen, daß nie einer ganz recht hat und der andere ganz unrecht.
Kurt Tucholsky (1890-1935)